Mittwoch, 11. März 2015

"Du bist Erzieherin?!"

"Ja, stell dir das mal vor!" würde ich auf diese Bemerkung gern manchmal antworten und zwar mit Stolz. Das muss ich euch heute einmal mitteilen und loswerden...

Ich erlebe es in unserer Gesellschaft leider sehr oft, dass der Beruf einer Erzieherin nicht wertgeschätzt wird. Wir trinken schließlich nur Kaffee, spielen den ganzen Tag Spiele und stehen quatschend im Garten, wie es klischeehaft ja immer gern genannt wird. Dabei trinke ich nicht einmal Kaffee haha...
Vor ein paar Jahren habe ich das mir wohl eindringlichste Erlebnis gehabt, - gemeinsam mit einer damaligen Freundin traf ich eine ehemalige Lehrerin. Sie erkundigte sich nach unserem Werdegang und tat interessiert, welchen Beruf wir für uns auserkoren hatten. Als ich dann berichtete, dass ich mich zur Erzieherin ausbilden lasse, sprach ihr Gesicht wahre Bände. Ablehnung und Unwertschätzung wohin das Auge reichte. Gleich kamen Kommentare wie "Und dafür hast du Abitur gemacht?!", "Möchtest du nicht lieber etwas Anständiges studieren?". Bis heute schwirrt diese Situation irgendwo in meinem Kopf herum. 
Ich hatte mich nach dem Abitur bewusst gegen ein Studium entschieden, irgendwie hatte ich die Nase voll vom Schulbank-Drücken. Ich wollte etwas machen, auf das ich Lust hatte und das mir Freude bringt. Doch leider gab es während der Ausbildung viele Erlebnisse, die dem mit der Lehrerin ähnelten. Auch viele Eltern sind sich leider nicht darüber bewusst, dass wir ausgebildete Pädagogen sind und tatsächlich wissen, wie wir und warum wir so handeln und wertschätzen Erzieher und deren Arbeit leider so gar nicht. Die Bezahlung spricht wohl auch dafür, dass so mancher einer "wichtigeren Tätigkeit" nachgeht . Da muss sich meiner Meinung nach noch viel ändern! 

Ich stand am Ende meiner Ausbildung dann irgendwie vor dem großen Fragezeichen, ob es das nun wirklich gewesen sei. Immer wieder kamen Fragen, ob ich wirklich diesen Beruf ausüben möchte, ob ich nicht was "Gescheites" mit meinem Leben anfangen möchte, nicht mehr Geld verdienen mag. Und schwupp saß ich im Hörsaal und habe drei Jahre studiert, wohl um mir und allen anderen was zu beweisen und später eine Ausweichmöglichkeit zu haben, falls mir ein Job "auf den Keks ginge". Hab' ich bewiesen, kann ich, hab' ich gut abgeschlossen... Und dann saß ich wie ihr sicher wisst drei Monate zu Hause, studiert und einen tollen Job erwartend. Praktika ohne Bezahlung hätte ich zu Hauf machen können, aber Pustekuchen in meinem Alter, wenn man nicht mehr zu Hause wohnt und Dinge wie Krankenversicherung selbst bezahlen muss. Irgendwann hat es mir dann gereicht, studiert zu sein scheint also auch nicht das Allheilmittel zu sein. Ich habe mich auf eine Stelle in meinem alten Job beworben, denn Erzieher werden dringend gesucht. Da wusste ich das kann ich, es macht mir Spaß und ich bin nicht der Kaffee-Kocher für's Büro.

Und wisst ihr was: Ich übe diesen Beruf verdammt gern aus! Ich weiß genau wie wichtig meine Arbeit ist und kann deren Früchte jeden Tag am Verhalten der Kinder erkennen. In meinen Augen gibt es kaum einen Job, für den man so schnell eine positive Resonanz erhält und bei dem einen so viel Freude und Dankbarkeit entgegen gebracht werden. Für mich ist es einfach unbezahlbar in die leuchtenden Augen eines Kindes zu schauen, wenn ich mir ein tolles altersgerechtes Angebot ausgedacht habe, das voller Neugierde mitgemacht wird. Oder es sind die Momente wenn dich eines "deiner" Kinder sieht oder trifft und lachend und deinen Namen rufend auf dich zu läuft, um dich dann aus vollem Herzen zu umarmen. Das gibt einem so unheimlich viel und vor allem Bestärkung, warum ich mir gewisse "Mitbringsel" dieses Berufes immer wieder "antue".
Ich kann meine Talente und Interessen in den Beruf einbringen, denn auch Kinder lernen in allen Bereichen, egal ob man nun gern technisch, künstlerisch, naturwissenschaftlich usw. arbeitet. Man ist in der Lage jeden Tag anders zu gestalten und weiß eigentlich auch nie, was einen erwartet. Und man hat Verantwortung! Eltern trauen uns jeden Tag ihre Kinder an, wir sind für ihre Leben und die Gestaltung ihres Tages verantwortlich. 

In meinen Augen ist es einfach ein schöner Beruf, der wohl genau wie alle anderen seine Tücken mit sich bringt. Ich kann euch also nur raten einmal genau hinzuschauen, was eine Erzieherin tagtäglich leistet, bevor ihr euer Urteil abgebt, denn auch wir haben einen verantwortungsvollen Beruf und sind nicht auf den Kopf gefallen ;o)

Ich sende euch viele sonnige Gedanken!
Eure




PS: Mein Studium bereue ich trotzdem nicht, ich habe unglaublich viel gerlernt, tolle Erfahrungen gemacht und bin immer der Meinung: "Was nicht ist, kann ja noch werden." Denn man weiß nie, was das Leben noch so bringt...

Kommentare:

  1. So ein ein schöner Artikel :) Du hast ganz Recht, Caro! Wir müssen lernen nicht so schnell zu urteilen und engstirning zu denken. Natürlich brauchen wir Erzieher und bitte auch welche, die gerne unsere Kinder betreuen und das auch vertrauensvoll. Follow your heart <3 :*

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